Lagereröffnung

Lagereröffnung
Der Luftbild-Ausschnitt zeigt das Lagergelände auf dem Areal der Birago-Kaserne. Quelle: Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH, 26. Dezember 1944

Die Steyr-Daimler-Puch AG war als Herstellerin besonders kriegswichtiger Rüstungsgüter für die Alliierten ein Angriffsziel mit hoher Priorität.

Mehrere Luftangriffe auf die deutsche Wälzlagerproduktion – unter anderem auch auf die Produktion in Steyr-Münichholz im Februar und April 1944 – führten zu einer Beschleunigung der U-Verlagerung. Gegen Ende des Krieges war der Mangel an Arbeitskräften in der deutschen Kriegswirtschaft so groß, dass die Errichtung unterirdischer Anlagen nur mehr durch den massenhaften Einsatz von KZ-Häftlingen durchführbar war. Das Interesse am Bau unterirdischer Produktionsanlagen mit Hilfe tausender KZ-Häftlinge lag für Steyr-Daimler-Puch – im Unterschied zur NS-Führung – jedoch nicht nur in der Aufrechterhaltung der Rüstungsproduktion. In den unterirdischen Anlagen konnten wesentliche Produktionskapazitäten über ein mögliches und immer mehr absehbares Kriegsende hinaus gesichert werden. So arbeiteten die KZ-Häftlinge bei den unterirdischen Bauvorhaben auch für die – auf die Nachkriegszeit gerichteten – Interessen der Industrie.

Im hauptsächlich aus Quarz-Sand bestehenden „Wachberg“ nahe der Ortschaft Roggendorf wurde unter dem Decknamen „Quarz“ eine unterirdische Produktionsanlage geplant, die auf mehrere Stollen verteilt eine Produktionsfläche von 65.000 m2 umfassen sollte. Als Arbeitskräfte für den Bau der unterirdischen Rüstungsfabrik sollten KZ-Häftlinge eingesetzt werden. Deshalb wurde im April 1944 – nach anfänglichen Überlegungen, direkt im Bereich der Stollenbauarbeiten in Roggendorf KZ-Baracken aufzubauen –, in der damals leerstehenden Birago-Pionierkaserne in Melk ein Konzentrationslager eingerichtet.

Am 21. April 1944 traf der erste Transport mit vorwiegend französischen Häftlingen im Konzentrationslager Melk ein. Die KZ-Häftlinge wurden zunächst im sogenannten „Objekt 10“ (Mehr zur Geschichte des "Objekts 10"), später auf dem gesamten Kasernengelände, untergebracht. Bis April 1945 wurden insgesamt 14.390 Personen nach Melk deportiert. Melk zählte zu den größten Konzentrationslagern auf österreichischem Territorium. Im Jänner 1945 erreichte die Zahl der Häftlinge den Höchststand von über 10.000 Personen, die auf engstem Raum in Gebäuden der ehemaligen Kaserne und zusätzlich errichteten Baracken unter schrecklichen Verhältnissen interniert waren.

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