"Der Mord an den Kranken"
Die bislang unerforschte Geschichte der NS-„Euthanasie“ im Bezirk Melk. Das Schicksal der 203 Bürger*innen der Region Melk, die vom NS-Regime im Rahmen der sogenannten „Euthanasie-Aktion“, der Ermordung von Menschen mit physischen Behinderungen, psychischen Erkrankungen und / oder Lernschwierigkeiten, von Patient*innen von Anstalten, aus Alters- und Pflegeheimen etc., getötet wurden, ist fast gänzlich vergessen.
Gefälschte Angaben zu Todesursachen und Todesorten in den Krankenakten sowie Sterbeurkunden und beiliegenden Trostbriefen an die Angehörigen trugen dazu bei, die tatsächlichen Umstände des „Mordes an den Kranken“ zu verschleiern. Bis heute wissen viele Angehörige oder Nachkommen der Opfer der „NS-Euthanasie“ nicht genaues über deren Schicksal. Vor Ort in den Städten und Gemeinden, wo diese Personen gelebt haben, gibt es meist keinerlei Hinweise auf die Existenz und das Leben dieser Menschen, bevor sie von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
Das Projekt widmet sich insbesondere der Erforschung der Schicksale der Betroffenen aus dem Bezirk Melk und ihrer Lebenswege. Es beleuchtet die Hintergründe der "Euthanasie", die ihr zugrunde liegenden wissenschaftlichen Theorien der "Erb- und Rassenlehre", ferner die Bedeutung des NS-Regimes für die Gesundheits- und Sozialpolitik, den damit verbundenen Eingriff in persönliche Freiheitsrechte und schließlich die Organisation der Vernichtung inklusive der Involvierung von Institutionen des Bezirkes.
Hierzu wird untersucht, inwiefern auch auf der lokalen und regionalen Ebene Personen und Institutionen in die „Euthanasie-Aktion“ involviert waren, wie z.B. Ärzte in die Einweisung der Betroffenen in Anstalten oder Gesundheitsämter, Alters- und Pflegeheime, lokale und regionale Parteifunktionäre etc. Diese regionalen Zusammenhänge der Organisation und Durchführung der „Euthanasie“-Morde sind für den Bezirk Melk bislang noch nicht hinreichend bekannt.
Über diesen Fragestellungen versucht das Forschungsprojekt den Wissensstand zur Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus im Bezirk Melk auf die detailliertere Untersuchung des bislang in der Region kaum beachteten Themas der „Euthanasie“ und der davon betroffenen Personen zu erweitern. Das primäre Ziel ist, die Namen der Opfer der „NS-Euthanasie“ mit Bezug zur Region Melk möglichst umfassend zu erheben und – je nach Quellenlage – exemplarisch die Biografien und Schicksale der Opfer zu erforschen.
Dafür bitten wir auch um Unterstützung: Wir suchen v.a. nach Dokumenten und Fotografien zu den betroffenen Personen, aber auch überlieferte Geschichten und jegliche Informationen. Angehörige und Nachkommen der Familien der „Euthanasie“-Opfer werden um Kontaktaufnahme gebeten unter christina.kandler@zhzmelk.at
Erste Ergebnisse konnten bereits im Rahmen des Vortrages „Bin ich nicht lebenswert?“ im November 2025 im Volkshaus St. Leonhard am Forst präsentiert werden, weitere Vorträge folgen 2026.